Urlaub vom Kachelofen

Wir machen Urlaub...

 

am Samstagmorgen geht es los. Wir haben alles für unsere geplante Radtour an der Mosel gepackt. Ein letzter Blick in die Taschen, ein vorletzter Blick zu den Rädern, - ist alles gut festgezurrt? – und dann geht es los.

 

Wir sind auf dem Weg zur Mosel und wollen etwas außerhalb  von Trier zunächst eine Unterkunft suchen, von der aus wir dann Trier und eventuelle weitere Ziele per Rad erreichen können.

 

Durch den Hunsrück, vorbei an Morbach und anderen kleinen Ortschaften, sind wir endlich auf dem Weg. Eine schöne Fahrt, mit fröhlicher Musik und entspannt – ich fahre selbst...

 

Wie wäre es mit einem Abstecher nach Luxemburg, das liegt ja förmlich auf dem Weg und wir haben keine Eile. Gedacht, besprochen und getan. Wir biegen ab und befinden uns auf dem Weg durch Wasserbilligerbrück nach Wasserbillig, dem Grenzübergang.

Haben wir unsere Ausweise dabei? Ich ja...!  Ich hole tief Luft und werde ausgebremst :-)

Ach gut, ok, wir brauchen keine Ausweise mehr, die Grenzen sind ja offen. Ich war schon lange nicht mehr auf Reisen.

 

Jetzt schnell schauen, wo wir einen Supermarkt finden. Supermärkte im Ausland ziehen mich magisch an, dort gibt es immer Dinge, die man bei uns nicht sieht. Weit und breit keine Einkaufsmöglichkeit, alles winzige Orte, die nur aus einer Hauptstraße  zu bestehen scheinen, fast so wie bei uns in Weiler.

Zweimal umgedreht und wir sind wieder auf dem Weg zum Grenzübergang. Und siehe da, ein Geschäft neben dem anderen. Sofort habe ich einen Parkplatz und rein ins Vergnügen.

Das vergeht mir spontan, als ich auf die Preise schaue – im Übrigen kein anderes Warenangebot als bei uns, nur ca. doppelt so teuer, autsch! Doch, hier haben wir doch etwas. Von der Firma Haribo werden hier Produkte angeboten, die ich nicht kenne. Sechs bis sieben unbekannte Sorten sind es sicher. Blitzschnell findet sich eine Tüte rosafarbener Erdbeeren in meiner Hand – seit wann mag ich eigentlich rosa...? Aus einem Krabbelkorb noch zwei Fliegenklatschen, die kann man immer gebrauchen, oder?

 

Der übernächste Eingang führt in eine Konditorei – haben wir Lust auf Torte? Erst mal rein gehen. Beim Blick auf die ausgestellten Torten, die hier nur am Stück verkauft werden, wird die Lust ganz winzig. Fast so winzig, wie die angebotenen Kuchenvarianten. Eine Mini-Schwarzwälder-Kirsch-Torte kostet 24€, einen ebenso kleinen Apfelkuchen könnten wir schon für 18€ erwerben. Unsere Entscheidung: so dringend brauchen wir die Backware nicht...

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Aber Tanken, das können wir. Im Gegensatz zu unseren deutschen Tankstellen, die wir heute früh noch mit 1,36€ pro Liter Sprit erfreut haben, tanken wir hier für 1,11€ pro Liter und erfreuen dieses mal uns selbst damit.

 

So, jetzt wieder zurück und ab an die Mosel , das ist ja unser eigentliches Ziel.

 

Gut, dass wir vorher nicht im Internet nach Pensionen geschaut haben, so ist alles gleich ein wenig abenteuerlicher. Zum Glück weiß ich auch immer ganz genau was ich möchte: unentschlossen sein. Und das ausgiebig.

 

So landen wir dann nach mehrmaligem Wenden an der schönen Mosel in Zewen, einem kleinen, ruhigen und beschaulichen Ort.

 

Haben wir unsere Zahnbürsten eingepackt? Ich ja...! Ich hole tief Luft und werde ausgebremst :-) : Schatz, ich kaufe mir einfach eine neue Zahnbürste, das ist im Urlaubsbudget drin.

 

Im Budget ja, in Zewen am Samstag Abend einen Laden finden – Fehlanzeige.  Aber wir finden eine Bleibe. Nett gelegen, einfach und unkompliziert und genau vor unserem Fenster in der dritten Etage – zu erreichen über mehrere enge wendelartigen Stufen – die Hauptstrecke des Moselexpress. Wir sind flexibel und zum Glück teilweise gehörlos ;-)

 

Gepäck aus dem Auto, rein in die Radklamotten und rauf auf die Räder, es ist ja noch früh. Und ich bin fast Profi. Mit viel Rückenwind sausen wir an der Mosel entlang gen Trier und freuen uns. Einfach so. Weil es schön ist. Ein paar km radeln und wir erreichen die Innenstadt, hier geht’s dann nur mit Laufen und Rad schieben weiter, es herrscht Gedränge.

Der Hunger lässt uns an einem Eisladen anhalten, aus dem der Duft frisch gebackener Waffeln strömt. Genau, ein Eis muss her.

Nach dessen Genuss finden wir zwar noch das Schwarze Tor, die Porta Nigra, müssen aber 20 Meter vorher stehen bleiben, damit ich wild gestikulierend dem Hinweisschild einer Toilette folgen kann, es eilt!

 

Die Porta Nigra ist schön, Trier ist schön, wir machen uns auf den Rückweg.

Mit viel Gegenwind kämpfen wir uns an der Mosel entlang gen Zewen, ich freue mich gerade nicht...! Aber wir schaffen auch das und staken die Treppen zur Glückseligkeit empor. Jetzt ne Dusche und dann...

 

...Hunger!!! schreit es aus unser beider Kehlen. Ein Blick aus dem Fenster und auf einem Werbeschild wird in knappen 30 Metern, eine Pizzeria angepriesen. 30 Meter zu Fuß sollten zu schaffen sein, auch nach so einem Tag.

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Wieder in die Klamotten, diesmal unsportlich in Jeans und T-shirt. Die Treppen runter, raus aus dem Haus. Auf dem Werbeschild steht eine Entfernung von nur 300 Metern – wir denken über neue Brillen nach und holen das Auto.

 

Dass das eine weise Entscheidung ist zeigt sich, als wir die Pizzeria mit knurrenden Mägen erreichen – Betriebsferien! Jeder braucht mal Urlaub. Das wissen sogar wir.

 

Auto wenden (wie oft haben wir das heute eigentlich schon getan...?) und raus aus Zewen in Richtung nächste Ortschaft.

Bei einem unserer Wendemanöver vom Vormittag war uns ein Hotel mit angeschlossener Pizzeria aufgefallen. Griechen gibt es an der Mosel nicht.

 

Die Pizza aus dem Steinbackofen war lecker, für meinen Geschmack aber zu...zu zu halt. Wahrscheinlich hat der Koch etwas in den Teig gemischt, ich renne mit kleinen Trippelschritten zur Toilette.

 

Ein Rotwein von der Mosel, teuer und nicht sehr lecker...gefolgt von einem Rosè, auch teuer und nicht besonders schmackhaft, rundeten die Hauptspeise ab.

Erfreulich – auf jedem Tisch lag eine Eiskarte, da muss ich mal rein schauen. Eis geht ja bekanntlich immer und man kann nicht viel falsch machen.

Ich habe die Qual der Wahl...ein Eisbecher schöner als der andere. Was nehm ich nur? Ich habe mich noch nicht entschieden, als die Bedienung nach weiteren Wünschen fragt.

 

Schwupps, nach meinen Worten „wir schauen noch...“ wird mir die Karte aus der Hand genommen und „in Sicherheit“ gebracht. Wieso eigentlich? Oder habe ich das falsch interpretiert? Nein, die Karte ist und bleibt weg.

 

WIR dürfen kein Eis bestellen. Und nein, wir haben uns nicht über den teuren, sauren Wein beschwert. Wir wissen, wie man sich in einem exklusiven Restaurant als Gast zu benehmen hat.

 

Nach Begleichung einer fremden Rechnung reklamieren wir kurz, werden ungläubig angestarrt, das Trinkgeld verringert sich mit der richtigen Rechnung um einen nicht unerheblichen Betrag und wir verlassen das gastliche Haus.

 

Der erste Tag ist geschafft.

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Wir haben die Nacht überstanden. Unser Frühstück ist schmackhaft und es ist alles da, was man braucht. Wir sitzen ein wenig zögerlich auf unserem Allerwertesten. Liegt sicher an den unfassbaren 22 km, die wir am Vortag abgerissen haben...per Rad.

 

Wir entschließen uns, die Räder aufzubocken und ein Stück flussabwärts zu fahren. Mosel ist Mosel!

 

Reil, ein Ort, den ich von meinen vielzähligen Motorradtouren in der Eifel kenne, zieht uns an. Die dortigen Bekannten,  Weinbauern, die eine Straußwirtschaft betreiben, sind nicht zuhause.

Das Lokal nebenan, das Gashaus Zur ..., hat am Moselufer einen einladenden Terrassenbetrieb. Wir haben ein wenig Hunger und nehmen dort Platz.

 

Eine freundliche Bedienung fragt nach unseren Wünschen, noch bevor wir einen Blick in die Speisekarte werfen können. Wir vertrösten sie und verlangen die Karte.

 

Das Angebot liest sich lecker ...Wurstsalat, angerichtet mit Bratkartoffeln und Salat. Auch interessant klingt der Ofenfrische Hackbraten mit Paprika und ebenfalls Bratkartoffeln. Wir nehmen beides, tauschen jedoch beim Wurstsalat die Bratkartoffeln gegen Pommes Frites.

 

Die bestellte Rotweinschorle erweist sich als Zwergenportion und lässt geschmacklich zu wünschen übrig. Der Traubensaft...in einer Weingegend erwarte ich Traubensaft vom Winzer und nicht die Aldi Hausmarke.

 

Das Essen kommt und mit ihm geht mein Appetit. Der ofenfrische Hackbraten besteht aus zwei kleinen, ovalen Scheibchen einer nicht zu definierenden Masse. Übergossen mit einer Ketchupsoße in wenig ansprechendem Orange-Rot. Farblich in bester Gesellschaft befinden sich Oma’s Bratkartoffeln. Vollgesogen mit Öl, dümpeln sie schwer auf dem Teller. So groß ist mein Hunger nicht und ich denke übers Essen im Allgemeinen nach.

Orange-Rot ist eigentlich eine schöne Farbe.

 

Der Wurstsalat, ein hoch aufgetürmter Berg, ist pfeffer- und salzarm. Dafür überrascht er uns mit einem grünen Innenleben – aha, der angekündigte Salat! Wie der allerdings unter die Wurststreifen kommt...die Portion relativiert sich dadurch und separiert bleibt gerade mal eine halbe Handvoll geschmacksarmer Wurst.

 

Die freundliche Bedienung schwebt herbei und fragt, ob alles gut sei.  Meine Bemerkung, darüber später zu reden ignoriert sie und fragt ein Zweitesmal.

Leise, ohne die anderen Gäste an meiner Aussage teilhaben zu lassen, erwähne ich die ölgetränkten Kartoffelscheiben, die so gar nichts mit Bratkartoffeln gemein haben – mit Bratkartoffeln kenne ich mich schließlich aus.

Die Soße und die undefinierbare Fleischmasse erwähne ich gar nicht erst. Es ist teuer, also muss es auch gut sein...!

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Nachdem wir auch den Wurstsalat mit salzlos traurig hängenden Pommes – auch mit Pommes kenne ich mich aus – nicht loben, zieht die freundliche Bedienung ein etwas unfreundliches Gesicht und versucht mir, fast mit Gewalt, eine andere leckere Speise aus dem Hause aufzudrängen. Ich wehre mich mit Erfolg und sie rauscht davon.

 

Wenige Minuten später geht sie davon aus, dass wir die Rechnung haben möchten. Als gute Gäste, die wissen, was sich gehört, bejahen wir.

 

Ein schöner, ungerader Betrag, den wir, Dank der freundlichen Bedienung, die nicht für den Faux Pas der Küche verantwortlich ist, gerne aufrunden, um ein angemessenes Trinkgeld an die Frau zu bringen.

 

Die jetzt aus unerfindlichen Gründen unfreundliche Bedienung, bringt den Differenzbetrag wortlos zurück und lehnt mehrfach jeden Cent Trinkgeld, ab.

 

Sie spricht nicht mehr mit uns. Ist sie stumm geworden? Ist sie die Tochter des Kochs? Wir wissen es nicht.

 

Bei der Kontrolle der Rechnung stellen wir fest, dass die ohnehin überteuerte Weinschorle zu hoch berechnet ist und lassen uns denEuro zurück geben.

 

Auf Wiedersehen, es hat uns gefreut.

 

Wir fahren nachhause. Duschen, ins Bett fallen – ach, an der Mosel ist es schön.

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Wir wachen auf und haben immer noch Urlaub. Wir freuen uns.

 

An der Mosel ist es immer noch schön, die gesamte Gegend einfach traumhaft und wir beschließen, noch einmal dorthin zurück zu kehren. Entspannt, ohne die vielen km per Rad. Wir entschließen uns für die Vespa und packen unsere Taschen.

 

Bei herrlichem Sonnenwetter fahren wir am Rhein entlang in Richtung Koblenz. Weiter geht’s nach Cochem.

Wir haben wieder kein festes Ziel und entschließen uns, einen Abstecher zur Burg Eltz zu machen.

 

Schwupp, sind wir an der angezeigten Ausfahrt in Richtung Burg vorbei. Hupen und Winken meinerseits findet keine Beachtung. Na dann...einige km weiter, gibt es erneut einen Wegweiser zur Burg – na, es geht doch.

 

Wir fahren und fahren und fahren...und fahren. Immer wieder Hinweisschilder zur Burg. Rechts hinauf, links wieder hinunter und umgekehrt. Fast verlieren wir die Orientierung. Wir vermuten, die Schilder führen uns im Kreis und die Burg gibt es gar nicht..

 

Nach gefühlten 3000 km, erreichen wir einen Parkplatz, der zur Burg gehört – Gott sei Dank. Erste Druckschmerzen vom Sitzen auf der Vespa, machen sich breit. Absteigen geht schnell, laufen klappt nicht. Gut, dass es einen Shuttlebus gibt, der uns durch Haarnadelkurven steil nach oben transportiert.

Beim Aussteigen stellen wir fest: unser Gehapparat funktioniert wieder. Alles ok. Schnell an die Kasse, die nächste Führung beginnt. Treppauf, Treppab, durch Gänge und Zimmer – vor 600 Jahren war es auch sehr gemütlich.

Interessante Räume, verborgene Türen, geheime Gänge ...sind von der Besichtigung ausgeschlossen – wieso eigentlich?

 

Eine kurze Rast nach der Führung und wir sind bereit, die nächste Streckenetappe zurückzulegen.  Seltsamerweise war die Abfahrt in Richtung Mosel dann nur ca. 6 km und keine 3000 mehr. Auch gut, wir hinterfragen es nicht.

 

Ach, an der Mosel ist es schön...deshalb biegen wir schnurstracks in Richtung Eifel ab. Dort ist es auch schön. Die Maare sind hier unser soeben festgelegtes Ziel, die müssen wir sehen, unbedingt!

 

Mittlerweile knurren unsere Mägen und wir stellen fest, dass der Tag anfängt, in den Abend überzugehen. Wir brauchen eine Unterkunft. Dies erweist sich als schwierig. Belegte Zimmer in der mittleren Preiskategorie.  Freie Zimmer in 5-Sterne Unterkünften, wir haben aber weder das Kleine Schwarze noch ein Hemd mit Krawatte im Reisegepäck.

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Also weiter, km um km. Aus einiger Entfernung sehen wir mindestens 2 Maare, deren glasklar-blaues Wasser durch Baum- und Buschkronen schimmert. Wir erreichen Daun. Hier muss doch ein Zimmer zu finden sein.  Dirket an der Hauptstraße weist uns ein Schild auf eine Unterkunft mit Namen Bikers Moment, hin. Das passt ja hervorragend. Um drei Ecken und wir sind da. Wer nicht da ist, ist die Belegschaft vom freundlichen Biker-Hotel.

Kein Lebenszeichen, es scheint unbewohnt zu sein. Auch Klingeln nutzt nichts, wir fahren weiter. Und mit uns die hungrigen Löwen, die sich in unseren Bäuchen eingenistet haben. Sie grollen.

 

Nach einer Fahrt durch die Stadt bleiben wir an einem Imbiss mit angeschlossener Gastwirtschaft und Zimmerangebot hängen. Fragen kostet nichts und wir werden freundlich empfangen. Ein Zimmer ist auch noch frei – was wollen wir mehr. Die zusätzlichen 3€ für Kurtaxe, liegen im finanziellen Rahmen.

 

Wir bestellen schnell etwas zu essen, bevor die Küche schließt. Ein Champignonrahmschnitzel (kenne ich ja nur zu gut...) und ein Pfeffersteak, beides mit Pommes und Salat.

Der Salat schmeckt gut. Das Schnitzel ist in einem etwas traurigen Zustand. Mit Fertigpanade umschlossen und etwa in der Stärke von Papier mit 170 g/qm. Die Soße ist eine leckere von Maggi oder Knorr, ich kenne den Unterschied nicht, mit etwa 7-9 Champignonscheiben angereichert. Ich habe Hunger...!

 

Zum Pfeffersteak gibt es die gleiche reichhaltige Chapignonsoße, zusätzlich um eine handvoll Pfefferkörner ergänzt. Wir haben beide Hunger.

 

Das Zimmer ist groß und freundlich eingerichtet, wir freuen uns aufs Schlafen. Vor unserem Fenster fängt ein Zirkus an, seine Wagen abzustellen. Wir schlafen trotzdem gut. Geweckt werden wir nicht vom  Manege frei sondern von Starkregen und Donnergrollen. Auch gut, wir wollen sowieso eine Pause machen, uns ausruhen und lesen.

 

Zum Frühstück erwartet uns die Wirtin mit eingedrehten Lockenwicklern und einer Zigarette im Mundwinkel. Sonst raucht sie ja nicht, nur jetzt eben mal. Es macht sie nicht unsympathisch.

Der Kaffeetisch ist gedeckt und das Frühstück erweist sich als sehr lecker. Da kommen weder das Schnitzel noch das Steak vom Vorabend mit.

 

Zwischen Lockenwickelgeschmückter Wirtin und eifrig wischender Putzfrau, schnapsverzehrendem Fleischlieferanten und krakelendem Postboten, genießen wir unser Früstück und freuen uns über die wunderschöne Einrichtung  der Bauernstube.

 

Leider können wir nicht noch eine weitere Nacht bleiben. Das Zimmer ist vorbestellt. Wir bezahlen und setzen unsere Urlaubsreise fort. Wieder einmal bei strömendem Regen einen schönen Ort verlassen, wir kennen es ja schon.

Was ist mit den Maaren – sie sind hinter einer undurchlässigen, grauen Regenwand verschwunden.

 

Auf Wiedersehen ihr Maare, auf Wiedersehen Daun.

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In jeder Ortschaft, die auf unserem Weg liegt, werden wir durch Schilder und Plakate „Herzlich Willkommen in...* geheißen aber ein Zimmer hat niemand für uns.

 

Zurück an der Mosel, setzen wir mit einer kleinen Fähre über, ans andere Ufer. Für schlaffe 6€. Aber wir haben Urlaub und wir genießen die 3-minütige Fahrt auf dem Kahn.

Auf der anderen Seite angekommen, führt uns die einzige Straße (Brücke) nach ca. 150 m über die Mosel ans gegenüberliegende Ufer.  Unser erstaunt-entsetzter Blick erhascht beim Überfahren der Brücke noch die Fähre, die gerade wieder den Fluß durchpflügt.

 

Es regnet und Langeweile ist ein Fremdwort für uns.

 

Wir beschließen mal wieder, nachhause zu fahren.

 

Die Eifel ist schön, das Moseltal ist schön.

 

Regenkombis sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Zuhause angekommen können wir uns das Duschen fast sparen. Wir sind bis auf die Haut durchnässt.  Ausziehen, direkt einseifen und abbrausen.

Wir haben uns die Bewässerung der Terrassenpflanzen gespart – Regen ist schön.

 

Wir übernachten im eigenen Bett und fühlen uns wohl. Die Matratze ist bequem. Frühstück am nächsten Morgen fällt aus, wir haben schließlich Urlaub.

 

Wir wagen einen vierten Versuch. Wieder mit den Vespa-Rollern. Genug von Rhein, Mosel, Eifel und den Wetterschwankungen.

 

Uns zieht es über Land in Richtung Pfalz. In brütender Hitze fahren wir durch eine grüne, duftende Landschaft. Es duftet nach Gras, Kräutern und Misthaufen – alles Natur pur.

 

Die B 271 führt nach Bad Dürkheim. In Wörrstadt finden wir die Bundesstraße. Schnurgerade, nur ab und an eine sanfte Kurve. Es macht Spaß. Auch eine Wespe hat Spaß und sticht während der Fahrt zwei- dreimal in meinen Oberschenkel. Es brennt wie Feuer.

Ich hasse Wespen...!

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Ohne ersichtlichen Grund finden wir uns urplötzlich auf der B 42 wieder. Keine Ahnung, wie wie hierher kommen. Gut, dass wir eine Straßenkarte dabei haben – und sie auch lesen können.

Wir dürfen uns nicht an den Himmelsrichtungen orientieren, da macht auch die beste Karte nicht mit.

Wieder sind wir unnötige 2000 km unterwegs. Plötzlich und unerwartet ist sie wieder da, unsere B 271.

Wir sind glücklich.

 

Etwas fällt mir auf:  die meisten Kraftfahrzeuge neueren Datums sind mit gelber oder gelb-grüner LED-Beleuchtung ausgerüstet. Die Farbe ist nicht besonders schön und stört im Rückspiegel meiner Vespa. Was denken sich die Autohersteller nur dabei – es ist nicht angenehm. Es kommt mir vor, als seien die Fahrzeuge mit den farbigen Scheinwerfern aufdringlicher als alle anderen.  Ich nehme mir vor, zuhause mal zu recherchieren. Gelb-grüne Beleuchtung...nicht zu fassen.

 

Wir erreichen Bad Dürkheim, den Marktplatz und einen Metzger, der warmes Essen anbietet. Selbiges ist nicht erwähnenswert.

Auch das Eis (1,90 € pro Kugel) ist es nicht wert, Worte zu verschwenden.

 

Weiter geht es durch die Pfalz in Richtung Neustadt, wir streifen Speyer und sind uns einig – wir wollen nach Heidelberg. Wieder einmal sind wir froh, keine feste Reiseroute, geschweige denn ein lange voraus geplantes Ziel zu haben. Wir sind sprunghafte Individualisten.

 

Nach der kurzen Rast sind wir schnell wieder auf dem Asphalt. Mir fällt auf: die Scheinwerfer, respektive die LED-Beleuchtungen sind nicht mehr farbig. Kein nerviges gelb oder gelb-grün mehr. Die Recherche kann ich mir sparen – es liegt daran, dass ich vergessen habe, meine gelb getönte Sonnenbrille wieder aufzusetzen, die offensichtlich reichlich Farbe ins Spiel bringt. Mein leicht gerötetes Gesicht ist nicht auf die Auswirkung der Sonnenstrahlen zurückzuführen...

 

Es ist immer noch heiß. Heidelberg kennen wir beide in- und auswendig. Was wollen wir in Heidelberg? Eigentlich nichts. Wir beschließen, am nächsten Tag  ein Stück am Neckar lang zu fahren, wir haben ja Zeit – und Urlaub.

 

Wir durchqueren die Stadt und lenken unsere Zweiräder in Richtung Weinheim. Etwas außerhalb liegt der Ort Oberflockenbach.

 

Sonnenverbrannt, müde, hungrig und durstig, erreichen wir eine ansprechende Pension. Ob es hier im Gasthof zur Rose ein Zimmer für uns gibt? Wir versuchen unser Glück.

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Dem Glücklichen gehört die Welt, die Sonne und das Himmelszelt.

 

Uns gehört 20 min später ein kleines Doppelzimmer mit Dusche  Jetzt nichts wie raus aus den verstaubten Klamotten, unter die Brause und hinunter in den Biergarten.

Die Bestellung eines 1,5 Liter Kruges, gefüllt mit sauer gespritztem Wein, bewegt den Kellner dazu, uns zwei Gläser zu bringen.

 

Fragend schaut er in unsere Zweierrunde, wem er die zusätzlich bestellte Apfelschorle servieren darf. Dezent weisen wir ihn daraufhin, das zweite Weinglas wieder mitzunehmen. Als ob 1,5 Liter Weingemisch zweier durstiger Kehlen bedarf. Der Abend ist lustig.

 

Nach Einbruch der Dunkelheit, begeben wir uns zum Schlafen in unser Zimmer. Schon beim Sitzen auf dem etwas altersschwachen Bett, wird uns mulmig. Gut, dass wir nicht unter Seekrankheit leiden. Es schwankt und wankt – nein, das kommt nicht vom Alkohol. Fühlt sich so ein Wasserbett an? Wir wissen es nicht.  Ein Blick unters Laken: eine ganz normale Matratze. Nur eben eine, die sich keine Sekunde in Ruheposition befindet.  Ein tiefer Atemzug und die Matratze gibt die leise Bewegung 100fach wieder ab.

 

Wir schlafen bei dauerhaftem Wellengang ein und werden mitten in der Nacht aus der Tiefschlaf-Phase gerissen. Es blitzt, es donnert und es regnet.

 

Wir wollen nicht aufstehen. Wir wollen auch nicht an den Neckar. Wir wollen nachhause. Es regnet.

Das Frühstückszimmer wird von einer Bestie bewacht. Ein riesiger, schwarzer Hund. Ich will weg hier. Ich habe keinen Hunger. Wieso habe ich Urlaub?

Der Hund wird verbannt, ich nehme wie auf glühenden Kohlen sitzend mein Frühstück zu mir, die Wirtin setzt sich zu uns und erzählt. Meine Nerven sind gespannt, der Hund bellt und die Menge des Brotes verdoppelt sich beim Kauen in meinem Mund.

 

Die Sonne bricht sich durch die Regenwolken und es wird wieder warm.  Wir bezahlen unsere Rechnung und packen die Taschen.

Die Roller stehen abfahrbereit und die regennasse, frische Landschaft strahlt uns an – ich möchte trotzdem nachhause.

 

Eine kurvenreiche aber sehr schöne Strecke führt uns wieder zurück nach Weinheim und wir fahren die nächste Tankstelle an. Nicht um zu tanken. Wir schlüpfen in die Regenkombis – die Sonne hat uns veräppelt und einen krassen Rückzieher gemacht – zugunsten des Regens.

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Wir haben immer noch Urlaub, nur nicht mehr lange. Wie wir die verbleibenden beiden Tage verbringen? Wir wissen es noch nicht. Wenn wir zuhause bleiben, haben wir trockenes Wetter. Wir schlafen in einem gemütlichen Bett. Nehmen Mahlzeiten ein, die wir nicht analysieren müssen.  Und befinden uns inmitten in einer Landschaft, die der Eifel, dem Moseltal, dem Neckar und der Pfälzer Weinstraße in nichts nachsteht.

 

 

Wir sind zurück in Weiler.

 

Fazit: egal bei welchem Wetter, wir leben in einem wunderschönen Land. Mit viel Natur, Wäldern, Flüssen, Bergen, Weizen, Wein und Wiesen und sollten, solange es geht, diese Schönheit genießen.

 

 

 

 

*Das ist eine wahre Geschichte. Orte und Handlungen sind nicht erfunden. Für weitere Infos oder Einzelheiten dürfen Sie gerne einen der beiden angegebenen Reiseteilnehmer befragen.

 

 

 

 

Herzliche Grüße an alle Gäste, Freunde und Verwandte

 

Birgit & Jochen

 

 

 

 

 

Weiler, 05. August 2017

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